- Zu Gast als Referenten beim Lions-Club Neheim-Hüsten

Einen emotionalen Vortrag hielten Leonie Knapp, Andrea Schulte und Jens Guddat vor den interessierten und sichtlich begeisterten Herren des Lions-Clubs

Mit einer hoch emotionalen Note startete der Lions-Club sein kürzliches Treffen im Rodelhaus. Als Gäste begrüßte Michael Kossmann die Vorsitzenden des Wickeder Vereins Zuhause-Gut, dessen Mitglied auch der scheidende Präsident Christoph Meinschäfer ist. Thema des Abends: Autismus.

 

„Mein Kind ist Autist“ - Unter diesem Titel öffnete Vorsitzende Leonie Knapp mit einer lebensnahen Schilderung die Türen zu ihrem Familienleben. Neben ihr zum Vergleich ihre langjährige Freundin und zweite Vorsitzende Andrea Schulte.

Beide Kinder der Frauen sind gleich alt, die Erstgeborenen starteten gemeinsam ihre Schullaufbahn. Dann kamen die Zweitgeborenen, hier ein Mädchen, dort Aaron, mit der Diagnose: Autist.

Bei Familie Knapp änderte sich schlagartig alles. Sie zogen sich zurück, eine Odyssee durch Arztpraxen und Therapien begann, Aaron wurde zunehmend auffälliger.

Wie unterschiedlich ein Familienleben verlaufen kann, das eigentlich so gleich begann, zeigten die beiden Freundinnen emotional und mit vielen Einblicken in ihr Leben auf.

 

Der alles entscheidende Unterschied: Die Kinder sind nun erwachsen, der eine geht seinen Weg in ein selbstständiges Leben, Aaron dagegen wird immer auf Hilfe angewiesen sein. Das Elternsein und die Sorge hört nicht auf.

„Was ist, wenn wir nicht mehr da sind? Wer wird sich um ihn kümmern? Wir wollen ihn in keiner ,Verwahranstalt' abstellen. Die Mühen, die Förderungen und Therapien sollen fruchten und nicht verkümmern”.

 

Die Lösung für diese existenziellen Fragen: „Wir brauchen ein ,Zuhause-Gut' für jugendliche und erwachsene Autisten, die nach ihrer Schulzeit einen Ort finden, an dem sie wohnen, leben und arbeiten können, denn auch sie haben ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben.” Dafür kämpfen die beiden Frauen, Geschäftsführer Jens Guddat und alle Mitglieder des Vereins, die aus der gesamten Region zusammenfanden – auch aus Arnsberg.

 

„Ich spaziere auf der Sonnenseite des Lebens, zwei gesunde Kinder, beide sind nun erwachsen, ich muss sie nur noch loslassen, sie gehen ihren Weg”, erläuterte Andrea Schulte. Damit konnten sich die meisten Lions-Club-Mitglieder und Fam**

ilienväter im Saal identifizieren.

Umso nachdenklicher machten sie die Schilderungen von Leonie Knapp über den Alltag mit einem Autisten. Dabei ist jeder Autist anders. Das Spektrum reicht vom frühkindlichen Autisten bis zum Asperger, von Pflegegrad eins bis fünf.

 

Über die Hedwig-Dransfeld-Förderschule in Werl haben sich die meisten Eltern kennengelernt. Durch das Engagement der beiden Wickeder Frauen gründeten sie vor einem Jahr den Verein Zuhause-Gut. Mit im Vorstand neben dem Geschäftsführer Jens Guddat aus Hamm auch das Ehepaar Antje und Karsten Voß aus Neheim.

Durch Öffentlichkeitsarbeit schlossen sich schnell neue Mitglieder aus der Region an.

Fotograf Christoph Meinschäfer kam dazu, als seine Bilder-Ausstellung in der Kreativ-Werkstatt  Kunst-Werk mit autistischen Referenten den Vorstand in seine Räumlichkeiten lockte. Es entstand sofort eine freundschaftliche Synergie.

Meinschäfer stellte auch den Kontakt zu einem Architektenbüro her, das für die Idee nach einer Einrichtung rein für Autisten als Wohn- und Arbeitsplatz großes Interesse zeigte.

Mit diesem kreativen Büro sieht der Verein das Ziel näherrücken, könnte der Traum vielleicht bald schon Wirklichkeit werden. Noch steht alles am Anfang, viele weitere Gespräche und Planungen sollen folgen, Doch das Vertrauen, dieses NRW-Leuchtturmprojekt als große Herausforderung gemeinsam zu meistern, ist groß.

 

„Es gibt kein größeres Engagement als das von Eltern für ihr Kind”, verdeutlichte Geschäftsführer Guddat, der an dem Abend den gemeinnützigen Verein und seine unermüdlichen Tätigkeiten vorstellte. Auch wenn die Corona-Pandemie einen Strich durch monatliche Informationstreffen, geplante Ausflüge oder Öffentlichkeitsarbeit wie den Stand am Welt-Autismustag auf dem Wickeder Marktplatz machte – der Vorstand ist fast täglich in Kontakt, zieht an vielen Fäden, stellt sich für sein Ziel immer breiter auf wie erst zuletzt wieder mit dem Beitritt zum Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.

 

In den Herbstferien ist für die Familien eine Ferienfreizeit geplant und in wenigen Tagen besuchen die Familien den Tiggeshof in Arnsberg-Ainkhausen. Dies wollen die Lions-Club-Mitglieder unterstützen. Sie stellten dem Verein spontan eine Spende in Aussicht. 2000 Euro flossen kurze Zeit später auf das Konto.

Das Vorstandsteam war überwältigt von der großen Hilfe und Anteilnahme der Zuhörer. Auch für sie war dieser Vortrag eine Premiere, die mit feuchten Händen und entsprechender Aufregung angegangen worden war und letztlich dann so positiv verlief.

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